Dachauer Moos,  Insekten

Welche Libellen gibt es im Dachauer Moos?

Libellen kennt jeder. Aber zu erkennen, welche Art da über den Tümpel helikoptert: das ist schon schwieriger. Es sei denn, man ist mit einem Libellenexperten unterwegs. Über eine Augen öffnende Exkursion ins Moos.

Die Helm-Azurjungfer ist eine lokale Berühmtheit. Wer aufmerksam durch die Schutzgebiete im Dachauer Moos wandert oder radelt, kann auf Infotafeln lesen, dass Naturschützer großen Aufwand für diese Libelle betreiben. Attraktive Landschaften für einen Ureinwohner der Moosgebiete, das ist das Ziel der Bemühungen. Diese Art hat nämlich spezielle Bedürfnisse und liebt langsam fließende, nicht zu kalte Bäche mit Lücken im Uferbewuchs – früher typisch für das Dachauer Moos. Heute hilft der Mensch nach, um solche Lebensräume zu erhalten.

Aber wie sieht die Helm-Azurjungfer eigentlich aus, und wie unterscheidet sie sich von der Hufeisen- Azurjungfer oder der Becher-Azurjunger? Letzten Samstag gab es die Gelegenheit, diese und andere heimische Libellen in freier Wildbahn kennenzulernen.

Ein Nachmittag mit Groß- und Kleinlibellen

Als Programmpunkt der „langen Woche der Artenvielfalt“ des Dachauer Forums führte Libellenfachmann Klaus Burbach eine kleine Gruppe Teilnehmer vom Umwelthaus am Obergrashof zu zwei Biotopen mit einer Vielfalt an Groß- und Kleinlibellen. Um diese zu unterscheiden, muss man übrigens weniger auf die Größe, sondern vielmehr auf die Flügel achten: Großlibellen halten ihre Flügel immer ausgebreitet, Kleinlibellen falten sie in Ruhe zusammen.

großer Blaupfeil im Dachauer Moos
Ein Blaupfeil – eine Großlibelle, die Flügel sind ausgebreitet.

Glücklicherweise war gutes Flugwetter für die Insekten, die Jahreszeit passt natürlich auch, und so konnten wir in knapp zwei Stunden ein Dutzend prächtige Arten kennenlernen. Neben Helm-, Hufeisen- und Becher-Azurjungfer fanden wir die Große und die Kleine Königslibelle, die Gebänderte Prachtlibelle, das Kleine Granatauge, den Großen und den Kleinen Blaupfeil, die Federlibelle, die Feuerlibelle und die Gemeine Pechlibelle. Eine unglaubliche Vielfalt – insgesamt gibt es in Bayern 76 verschiedene Libellenarten.

Manche dieser Arten erkennt man schon von Weitem, die knallrote Feuerlibelle etwa, oder die hoch fliegende, durch ihre schiere Größe imponierende Große Königslibelle.

Libellen stechen nicht!

Aber wenn es an die Artbestimmung geht, kommt es oft auf Details an, das Muster der Bebänderung etwa. Um solche Feinheiten zu erkennen, ist es leichter, wenn die Libellen nicht nervös herumschwirren. Herr Burbach hatte deshalb natürlich einen Käscher dabei und zeigte uns auch, wie man die Tiere vorsichtig am Hinterleib oder den Flügeln halten kann. Vorsichtig deshalb, um die Libelle nicht zu verletzen. Vor den Tieren muss man keine Angst haben, sie stechen nicht! Und aus nächster Nähe war es dann auch kein Problem, den „Wikinger-Helm“ der Helm-Azurjungfer zu erkennen, eine charakteristische Zeichnung auf dem Hinterleib.

Allerdings: spontan an einem Tümpel Libellen einfangen – das sollte sollte man als Amateur lieber bleiben lassen. Auch wenn man die Tiere danach wieder freilässt, ist dafür eine Genehmigung nötig (die auch unser Experte speziell für diese Veranstaltung eingeholt hatte). Hilfreich für den Gelegenheitslibellenbeobachter ist aber auf jeden Fall ein Fernglas. Damit konnten wir beispielsweise die roten Augen des Kleinen Granatauges erspähen, das draußen über dem Weiher schwebte.

Bei der Führung im Moos ging es aber nicht nur darum, wie man Libellenarten erkennen kann. Wir konnten auch das Verhalten der Tiere hautnah beobachten und dank Burbachs Fachkunde verstehen.

Libellenexperte Klaus Burbach
Klaus Burbach hat sichtlich Freude an der Libellenvielfalt

Wieso setzt diese Libelle dort immer mit dem Hinterleib auf dem Wasser auf, in einem kuriosen „Tüpfelflug“? Klar, sie legt ihre Eier ab. Wieso fliegen Libellenpaare so oft im Tandem, auch nach der Paarung? Das Männchen bewacht das Weibchen, damit vor der Eiablage nicht noch ein anderes Männchen dazwischenfunkt – die Männchen sind auch sonst sehr territorial.

Wer Libellen anlocken will, muss dafür sorgen, dass es den Larven gut geht.

Die verschiedenen Libellen haben unterschiedliche, oft sehr spezielle Ansprüche an die Kinderstuben für den Nachwuchs. Denn das vergisst man schnell, wenn man die wendigen Helikopterinsekten über den Weiher schwirren sieht: die Zeit in der Luft ist nur eine kurze, intensive Phase im Leben einer Libelle.

Den allergrößten Teil ihres Lebens verbringen sie als unscheinbare Larve im Wasser. Ob es für die Larven einer Libellenart geeignete Bedingungen gibt, entscheidet darüber, ob sich die Art in einem Lebensraum wohlfühlt. Wer Libellen anlocken will, zum Beispiel im heimischen Gartenteich, muss also vor allem dafür sorgen, dass der Nachwuchs genug zu Fressen findet und sich vor Räubern verstecken kann.

Libelle mit umgedrehtem Fernglas
Profitrick: Durch ein umgedrehtes Fernglas sieht man bei manchen Arten einen Legestachel – dann ist es ein Weibchen.

Und da gibt es eben Unterschiede: manche Arten tüpfeln ihre Eier ins offene Wasser, andere legen sie gezielt mit einem Legestachel in Pflanzen ab. Und dann sind da noch die Fische. Manche Libellenarten , zum Beispiel die Heidelibelle, bevorzugen Tümpel, die immer wieder mal austrocknen und deshalb fischfrei sind. Für andere Arten ist das Zusammenleben mit heimischen Fischen kein Problem. Auch wenn viele Libellenlarven im Magen von Räubern landen, so erwischen die Fressfeinde längst nicht alle, wenn das Biotop nur ausreichend Verstecke bietet.

Probleme bekommen die Libellen aber, wenn „unpassende“ Fische eingesetzt werden, etwa der hier nicht heimische Graskarpfen. Wo der Graskarpfen die Wasserpflanzen wegfuttert, entstehen Badeweiher mit offenem Kiesgrund, die bei Schwimmern und Anglern beliebt sind. Die Libellenlarven sind in solchen Gewässern aber ungeschützt.

Auch deshalb ist es wichtig, dass es Spezialisten wie Klaus Burbach gibt. Die wissen nicht nur, wie die Arten aussehen, sondern auch, welche Ansprüche die verschiedenen Libellen jeweils an ihren Lebensraum haben. So kann man Biotope gezielt pflegen und dafür sorgen, dass die Vielfalt dieser faszinierenden Insekten erhalten bleibt.

UPDATE: Motiviert durch diese Führung, bin ich etwas später noch mal alleine losgezogen um im Schwarzhölzl nach den Libellen zu sehen. Ein paar Bilder gibt’s hier.

Interessante Links:

Im Rahmen der „Langen Woche der Artenvielfalt“ habe ich auch an einer Biberführung teilgenommen – Bericht hier.

„Libellen – Die Luftakrobaten Bayerns„, Artikel von Klaus Burbach und Michael Winterholler, AnLiegen Natur 39(2), 2017

Mit Klaus Burbach im Reich der Libellen“ – Youtube-Video auf dem Kanal des BundNaturschutz:

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