Exkursion,  Waldtiere

Der Schädel

Fundstück beim Waldspaziergang: Die Bibernasentochter hat neben einem Trampelfad etwas Knochiges im Gras entdeckt. Wie gruselig – eindeutig ein Tierschädel! Der wurde natürlich eingepackt, zum genaueren Studium daheim.

Erste Beobachtung nach dem Auspacken: ganz schön schmutzig! Aber er muss schon eine Weile im Wald gelegen haben, denn Fleisch war keines mehr am Knochen, dafür Erde und Lehm.

Erst mal ab in den Kochtopf, um den Dreck abzuwaschen:

Beim Kochen sind die meisten der Zähne ausgefallen, und der Unterkiefer kam auch in zwei Teilen daher. Naja, so hatten wir jetzt eine schöne Kleinteilesammlung:

Womit haben wir es hier zu tun? Auffällig sind die großen Hauer, wovon es mal vier Stück gab (bei diesem Exemplar zwei lose, einer steckt noch im Unterkiefer, einer fehlt.) Diese Fangzähne gehörten mal einem Fleischfresser („Carnivoren“), so viel ist schon mal klar. Jede Sorte Zahn im Kiefer eines Raubtiers hat seine eigene Aufgabe. Besser sieht man das allerdings, wenn wir das ganze wieder zusammensetzen.

Die hinteren Backenzähne haben drei Wurzeln und passen genau in entsprechende Löcher im Kiefer – das war einfach.

Der Rest des Puzzles hat sich dann mehr oder weniger durch Ausprobieren ergeben. Vorn bei den Schneidezähnen darf man nicht so genau hinschauen, da haben wir es beim Zusammensetzen irgendwie hingepfuscht. Die stiftartigen Schneidezähne waren teils verwittert, einige fehlen auch, und wo die Stiftchen genau hinpassen, konnten wir uns nicht mehr erschließen. Da müsste man jetzt einen Raubtierzahnarzt fragen…

Ihr habt vielleicht schon erraten, zu welchem Tier dieser Schädel gehört. Das dürfte ein Fuchsschädel sein. Unter den anderen heimischen Raubtieren käme vielleicht noch ein Dachs in Frage, aber der sieht massiger aus und hat ein anderes Zahnmuster. Eine Verwechslungsgefahr gibt es: Es könnte auch ein Hundeschädel sein. Aber die schlanke Gestalt und vor allem die flache Stirn deuten doch eher auf den Fuchs hin.

So, jetzt nur noch Ober-und Unterkiefer zusammensetzen , und voila: Hallo Fuchsschädel.

Es fehlen wie gesagt ein paar Zähne, aber man erkennt doch schön die verschiedenen Zahntypen.

Schneidezähne: Das sind die dünnen Stiftchen ganz vorne. Der Fuchs fieselt damit zum Beispiel Fleisch von den Knochen. Einige davon liegen wohl noch irgendwo im Gras am Fundort.

Fangzähne: Die furchterregenden Hauer an den Seiten. Mit den großen Fangzähnen tötet der Fuchs seine Beute.

Vorbackenzähne: Die sind bei den Raubtieren besonders gestaltet. Annähernd dreieckige, scharfkantige Zähne greifen ineinander wie Puzzleteile. Eine Besonderheit der Carnivoren sind dabei die Reißzähne: Jeweils ein Vorbackenzahn im Oberkiefer und ein Backenzahn im Unterkiefer bilden zusammen eine kraftvolle Brechschere. Hier hat der Kiefer eine hohe Beißkraft, die scharfen Zähne eignen sich also gut, um Knorpel und Knochen zu zerkleinern.

Backenzähne: Ähnlich wie beim Menschen kommen ganz hinten im Kiefer die Backenzähne, massive Brocken zum Kleindrücken der Nahrung (wobei im Unterkiefer ein Backenzahn pro Seite besonders gestaltet ist, als Reißzahn – siehe oben). Aber es gibt noch einen Unterschied zum Menschengebiss: Raubtiere können ihren Unterkiefer nicht seitlich hin-und herbewegen, er funktioniert nur im senkrechten auf-zu-Modus. Raubtiere können deshalb ihre Ihre Backenzähne nicht so gut zum Zermalmen einsetzen, wie es zum Beispiel für Pflanzenfresser typisch ist, die stundenlang auf irgendwelchem Grünzeug herumkauen.

Wenn man jetzt ein Fuchsgebiss-Experte wäre, könnte man wahrscheinlich noch mehr aus unserem Fund herauslesen – vielleicht auch, wie alt das Tier in etwa war. Aber für uns reicht’s hier erst mal, der Schädel wandert jetzt in unsere Schatzkiste.

Quellen:

Natural History Collection, University of Edinburgh. „Welcome to the order carnivora

Will’s skull page, Vulpes vulpes (Red Fox)

Johnson, E. (2015). A skeletal comparison of Dog, Fox, Badger and Cat. [Blog] I feel it in my bones. https://ifeelitinmybones.wordpress.com/2015/09/24/a-skeletal-comparison-of-dog-fox-badger-and-cat/ .

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